Steilvorlagen. für den Unternehmenserfolg 2022: Die schwierige Arbeit von Researchern in Zeiten von Fake-News

MÜNCHEN, 28.10.2022 Nach den Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg 2022 blicken GBI-Genios und der Arbeitskreis Informationsvermittlung auf ein gelungenes Event zurück.

Parallel zum Auftakt der Buchmesse präsentierten Sabine Graumann und Ralf Hennemann zum dritten Mal gemeinsam die jährliche Leitveranstaltung für Information Professionals: Steilvorlagen für den Unternehmenserfolg. Motto in diesem Jahr: „Richtige Informationen falsche Schlüsse. Die Crux mit der Fehleinschätzung. Techniken & Methoden. Ein Thema, so relevant wie nie. Denn die Frage der Bewertung von Informationen ist zentraler Faktor, wenn es um die Qualität der zu verarbeitenden Daten geht. Soziale Medien, eine neue Fake-News-Industrie und wachsendes Misstrauen gegenüber publizierten Fakten müssen heute in der Arbeit der Researcher berücksichtigt werden. Hochwertige Inhalte zu generieren und für deren Qualität geradezustehen, wird immer schwieriger. Das Ziel der diesjährigen Steilvorlagen: Methoden, Tools und Tipps für die Entlarvung von Falschinformationen aufzeigen. Der Analyse von Falschinformationen wurde sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven genähert.

Den Anfang machte die Keynote „Wahr und Fair oder Fake und Falsch“ von Professor Matthias Spörrle, der sich des Themas aus psychologischer Sicht annahm. Der Professor für Wirtschaftspsychologie beleuchtete unsere menschliche Entscheidungsfindung aus evolutionärer und sozialer Perspektive. Seine These: „Die Natur des Menschen zu verstehen ist die Basis, um die Wirkung von falschen Nachrichten und deren Entscheidungskonsequenzen zu verstehen.“ Vor diesem Hintergrund lässt sich leichter nachvollziehen, warum auch heute noch die Gruppenzugehörigkeit der Entscheidungsbeeinflusser bei Entscheidungen wichtiger ist, als der Aussagenwert. Oder
weshalb wir gerade in Stresssituationen zu Denkabkürzungen neigen und mehr Interesse an energieeffizientem Verhalten als an der optimalen Beurteilung einer Lage haben.

Professor Thomas Mandl, Professor für Informationswissenschaft, widmete sich in seinem Vortrag „Von Checklisten zur KI: Methoden zur Erkennung von Fehlinformationen“ dem Thema aus methodisch-technischer Sicht. Neben den Bedingungen für das Entstehen von Fehlinformationen ging er am Beispiel der Corona-Pandemie auf unser Informationsverhalten und unsere typischen Verhaltensmuster in Krisensituationen ein. Wie lassen sich aber auch in diesen Zeiten zuverlässige Informationen erkennen? Bekannte Verfahren und Checklisten, wie sie aus der Informationsdidaktik bekannt sind, wurden unter anderem auf Praktikabilität hin überprüft. Mandl riet, die Entstehungsprozesse und wirtschaftlichen Interessen hinter Veröffentlichungen mehr zu beachten. Denn bei allen Methoden zur Einschätzung von Qualitätsinformationen essenziell: Unsere Informationskompetenz.

Bespoke Research: Am Anfang steht das Verständnis für den Informationsbedarf“, meinte Carsten Gayer, Geschäftsführer Continental Europa bei M-Brain und Experte für Research, Intelligence und Consulting. Er analysierte den Umgang mit Falschinformationen aus recherchepraktischer Sicht am Beispiel der Market Intelligence. Zwar gibt es eine stetig wachsende Flut an verfügbaren externen (Wirtschafts-)Informationen, Daten und daraus resultierenden Reports. Aber wie verlässlich sind redaktionelle und soziale Medien, das Internet und Konsumenten- und Expertenaussagen eigentlich als Quellen? Und wie akkurat müssen die resultierenden Informationen überhaupt sein? Gayer brachte in seinem Vortrag etliche Best Practice-Beispiele aus der Market Intelligence und zeigte gängige Plausibilitäts- und Triangulations-Methoden auf.

Kommunikationsexperte, Pressesprecher und Faktenchecker bei mimikama Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, André Wolf, referierte in seinem Vortrag „Fake, Verschwörung & Propaganda: Die Rollen von Social Media und Krisen“ über die Relation zwischen Krisen, Social Media und Falschmeldungen. Denn die Kommunikation über Social Media hat einen großen gesellschaftlichen Einfluss, der nicht zu unterschätzen ist. Neue Kommunikationsstrukturen und strategien sind entstanden, um politisch genutzte Propaganda zu verbreiten. Zweifel sollen gesät, Ängste erzeugt werden. Optimaler Katalysator für all dies: Krisensituationen. Welche Eskalationsstufen durchlaufen werden und welche Ideologien und demokratiefeindlichen Botschaften immer wieder gemeinsamen Konsens bilden, zeigte Wolf am Beispiel der Pandemie.

Die anschließende Podiumsdiskussion „Richtige Informationen falsche Schlüsse“ und ein Expertenaustausch mit den Referenten rundeten die Veranstaltung inhaltlich ab. Daneben konnten die Teilnehmer sich im GENIOS News-Talk über den neuen GENIOS Corporate DatenService, eine Datenbasis für textanalytische Auswertungen, und den kürzlich stattgefundenen Relaunch von GENIOS informieren. Wie intuitiv und modern die neue Oberfläche ist, wurde dabei direkt in der Live-Anwendung gezeigt. Der Arbeitskreis Informationsvermittlung und GBI-Genios zeigten sich ob der hohen Teilnehmerzahl von 140 Teilnehmern und den positiven Rückmeldungen von Referenten und Publikum sehr zufrieden mit der Veranstaltung.